Gespräch mit Franz Weinhart alias Siboto IV.
Im 11. Jahrhundert nach Christus lebte Graf Siboto IV. sowie sein Sohn Siboto V. in der Region Rosenheim. Das damalige Leben spielte sich vor allem tagsüber ab, es gab weder Strom noch sanitäre Einrichtungen.
Man kann sich wohl schwerlich vorstellen, wie Menschen damals gelebt haben.
Franz Weinhart hat vor 20 Jahren den Ritterbund Falkenstein e.V. gegründet, ein Verein, der sich der Pflege der Tradition und vor allem der geschichtlichen Aufbereitung verschrieben hat.
Wie er mir erzählt, stammt das Wissen über diese Zeit vor allem aus Schriftstücken, die für etwaige Nachkommen angefertigt wurden. Im Falle des Siboto IV wurde vor Abreise in die Schlacht um Jerusalem der „Codex Falkensteiniensis“, ein Schriftstück, das Auskunft über seine „Lehen“ gab, angefertigt. Ein Schriftstück, über seine Güter, Besitztümer und Ländereien in der Region Rund um Herrenchimsee,
Es ist heute im Museum für bayerische Geschichte in Regensburg aufbewahrt.
Kurz nach Abfassung des „Codex Falkensteiniensis“ musste er nämlich in die Schlacht um Jerusalem ziehen und gegen die feindlichen Truppen des Kaiser Barbarossa kämpfen. Mit ungewissem Ausgang...
Erstaunlicherweise ist es das älteste Schriftstück aus dem 10. Jahrhundert, lange Zeit galt es als das älteste Schriftstück überhaupt. Mittlerweile wurden in anderen Ländern auch ähnliche Codice bei Ausgrabungen oder ähnlichen Gelegenheiten entdeckt. Da die Sprache in hochmittelalterlichen Schriftzeichen verfasst ist, fiel es den Entdeckern nicht leicht, alles zu entziffern. Erstaunlicherweise existierten jedoch Wörter, die heutigen bayrischen Ausdrücken lautmalerisch ähneln. Zur damaligen Zeit wurde Latein oder mittelhochdeutsch verwendet, um sich mitzuteilen. Dies war wohl vor allem den damaligen Adeligen vorbehalten.
Aus dem Leben der einfachen Bauern und Lehensgebern ist tatsächlich sehr wenig erhalten. So kann man sich verschiedene Illustrationen betrachten, die sich mit Lebenssituationen der Grafschaftsbewohner befassen, wie sie die Persönlichkeiten der Region für sich entdecken. Die Abbildungen zeigen wie Graf Siboto IV. auf dem Schlachtfeld kämpft.
(Während einer kurzen Kampfpause)
Wie Franz Weinhart und seine Frau versichern: „Was vielleicht ein einzelner Mensch mitgemacht hat – in seinem ganzen Leben – das weiß wohl keiner - so wie das heute überliefert wird, das ist nicht so.“
Hinter dem selbst angefertigten Schild erklang etwas seltsames. Ein Klang, erzeugt von einer Harfe....?
Die Männer und Frauen vom Ritterbund Falkenstein e.V. gehen verschiedenen Neigungen nach und eignen sich unterschiedliche Fertigkeiten an. Das heißt, nicht jede/r möchte ein Ritter sein oder den Graf darstellen. Es gibt viele andere Möglichkeiten, das Mittelalter für sich zu entdecken: als Ritter, Schmied, Gerber, Färber, sogar als Schuster, Magd der Frau Gräfin... aber was wird beim Ritterbund Falkenstein e.V. am meisten geschätzt, bevor man zu einem der erlesenen Abende eingeladen wird? Die Regeln befolgen, die aus einem pergamentenem Schriftstück, einer Art Rolle aus dem 10. Jahrhundert, vom Rangältesten vorgetragen werden. Was allen Beteiligten (außer mir) wohl ein spannendes Vergnügen bereitet. Überraschenderweise trägt die Frau Gräfin – wie aus dem Nichts – eine Flasche Bier auf. Wir probieren es aus den Steinkrügen, und einhellig unser Urteil: Tolles Bier, erfrischend mild, und dennoch schöne Hopfen. Das sollte genügen für einen kleinen Vorgeschmack...
Fotos (c) Ritterbund Falkenstein, Conni Lechner
Veröffentlicht in der September Ausgabe Wendelstein Anzeiger, 2021
Conni Lechner I Hirterstr. 10 I 83064 Raubling I mail@connilechner.de